Schreibtipp: Fang nicht mit der schwersten aller Seiten an!

Die große leere Seite!
Beginnst du bei Seite eins und schreibst durch bis zur letzten Seite? Du bist Autor:in. Du musst nicht schreiben, wie du liest.
Anfänge sind schwer. Die erste Seite deines Romans muss sitzen! Die Seite eins deines Buchs wirst du vermutlich mehrfach überarbeiten und polieren.
Aber musst du diese Seite als Erstes schreiben? Wenn das dein Impuls ist, dann schreibst du vermutlich noch, wie du liest: sequenziell, von Anfang bis Ende.
Warum?
Leser:innen beginnen auf Seite eins und lesen bis zum Ende. Aber du bist keine Leser:in. Du bist Autor:in!
Als Autor:in hast du jede Freiheit! Trau dich, nicht zu beginnen mit dem allerschwierigsten: der ersten Seite. Du kannst ja jede Szene schreiben, die du willst, und musst dich nicht an irgendeine Reihenfolge halten. Wir empfehlen geradezu, nicht am Anfang anzufangen!
Fünf Ideen, wo du beginnen kannst, statt am Anfang.
Idee 1:
Schreibe das Ende zuerst. Damit weißt du, wo die Reise hinführt. Also, wo du hinschreibst.
Natürlich wirst du diesen Text wahrscheinlich mehrfach umschreiben müssen. Dennoch hilft es, den Fokus zu behalten, das Ende bereits geschrieben zu haben.
Idee 2:
Schreibe ab der Mitte der Geschichte. Nach dieser Theorie ist die Geschichte symmetrisch und die zweite Hälfte spiegelt die erste. Schreibst du also die zweite Hälfte zuerst, weißt du schon, was in der ersten Hälfte passieren muss!
Idee 3:
Schreibe die Szene zuerst, die dir bereits klar ist! Kein Problem, wenn du noch nicht genau weißt, was danach oder davor passiert. Schreib schon mal das, was dir im Kopf herumspukt. Sicher, du wirst überarbeiten müssen. Aber besser, du bringst deine Ideen schon zu Papier.
Idee 4:
Alfred Hitchcock sagte wohl, dass er zwei herausragende Szenen braucht und der ganze Rest der Geschichte geht nur darum, diese besonderen Szenen sinnvoll zu verbinden. Was er nicht verriet, ist die Positionierung dieser Szenen in der Erzählung: nämlich als Midpoint und Finale. Paradebeispiel: „Der unsichtbare Dritte“ – Flugzeugangriff und Mount Rushmore. Schreib den zentralen Wendepunkt und den Klimax zuerst.
Idee 5:
Nach dieser Theorie hat jede Geschichte eine Erkenntnisszene, also einen Aha-Moment, in dem der Groschen fällt für die Leser:in. Im Krimi ist das am deutlichsten: wenn der Mörder enthüllt wird. Gilt aber für jede Geschichte. Das ist die Szene, in der die Leser:in lernt, was sie lernen soll. Die wichtigste Szene schlechthin.
Wie beim Krimi führt alles, der gesamte Aufbau der Story, zu dieser Schlüsselszene.
Klar also, dass du diese Szene zuerst schreibst!
Wie gefallen dir die Ideen? Welche wirst du ausprobieren? Finde die Art und Weise zu schreiben, die zu dir passt. Was zählt, ist das Ergebnis. Die Leser:innen wollen gefesselt sein von deiner Story. Lerne das Handwerk des Storytellings – und schreibe, wie du willst.
Foto von Kelly Sikkema auf Unsplash
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