Ursache und Wirkung – und wie alle Szenen miteinander verwoben sind

Ich habe es schon an anderer Stelle gesagt: Eine Geschichte ist nicht wie das Leben, denn eine Geschichte folgt klaren Ursache-Wirkungs-Zusammenhängen, während das echte Leben oft chaotisch wirkt. Vereinfacht ausgedrückt: Zwischen den Szenen einer Erzählung lässt sich viel eher ein „deshalb“ einbauen als ein „und dann“. Jede Szene ist die Folge einer vorherigen und zieht selbst wieder neue Szenen nach sich. Eine Szene ist, wie Jorge Luis Borges es formulierte, die Vorahnung einer späteren Szene. Spätere Handlungsmomente werden durch frühere vorbereitet – sie werfen ihre Schatten voraus.

Am deutlichsten zeigt sich dieser „deshalb“-Effekt, wenn man eine Geschichte in groben Zügen skizziert: Ein Verbrechen geschieht, deshalb wird ein Kommissar gerufen, deshalb übernimmt er den Fall, deshalb sucht er nach Spuren, deshalb findet er einen ersten Hinweis, der ihn – in einer logischen Kette – zum nächsten führt, bis er schließlich den Täter entlarvt.

Auf der Ebene einzelner Szenen muss diese Abfolge nicht streng eine nach der anderen sein. Es ist nicht so, dass jede Szene zwangsläufig aus der unmittelbar vorhergehenden resultiert, sondern vielmehr, dass Szenen fast immer auf frühere Bezug nehmen. Das Publikum erinnert sich – bewusst oder unbewusst – an den Punkt, auf den verwiesen wird, erkennt den Zusammenhang zu einer bereits bekannten Information. Das löst dieses befriedigende „Aha!“-Erlebnis aus, dieses angenehme Gefühl, etwas verstanden zu haben, den roten Faden zu erkennen.

Genau diese „Aha!“-Momente zu meistern, davon bin ich überzeugt, ist das eigentliche Handwerk des Geschichtenerzählens.  (mehr …)

Story-Struktur und Plot-Beats

Was meinen wir, wenn wir über die Struktur einer Geschichte sprechen?

Eine Geschichte ist eine komplexe Einheit, die viele miteinander verknüpfte Teile umfasst. Die Autor*in legt dem Material ein Organisationsprinzip auf. Das Ergebnis dieser Formung oder Formgebung des Materials ist die Story-Struktur, und diese verwandelt die Geschichte in eine Erzählung.

Bestimmte strukturelle Marker sind so explizit, dass das Publikum sie wahrnimmt, wie z.B. Kapitel in Romanen. Elisabethanische Stücke wie die von Shakespeare wurden typischerweise in fünf Akte unterteilt. Das Drehbuch eines Films wird in Akte, Sequenzen und Szenen unterteilt.

Beats

Es gibt allerdings Strukturen, die normalerweise nicht offensichtlich oder explizit gekennzeichnet werden. So kann beispielsweise eine Szene in Beats zerlegt werden – erkennbar nur durch die Momente, in denen sich die Stimmung oder Beziehung zwischen den Figuren ändert. Zwei Figuren führen ein Gespräch, Figur A sagt etwas, das Figur B anders reagieren lässt als wie A es erwartet hat – das ist ein Beat.  (mehr …)

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